Effizientes Netz
In den vergangenen Jahren wuchs das Verkehrsaufkommen parallel zum Bevölkerungswachstum. Zwischen 1990 und 2022 stieg die Zahl der in der Schweiz wohnhaften Personen um 30.6 Prozent, der Verkehr um 30.2 Prozent. Von allen Strassen in der Schweiz (Autobahnen, Kantonsstrassen, Gemeindestrassen) entfallen rund 3 Prozent auf Autobahnen. Diese wickeln 45 Prozent des Strassenpersonenverkehrs und 72 Prozent das Strassengüterverkehrs ab. Das heisst: Autobahnen sind höchst effiziente Strassen.
Effizient sind die Autobahnen auch bezüglich des Flächenbedarfs. Um die Effizienz zu messen, werden die durch verschiedene Verkehrsträger beanspruchten Flächen mit den zurückgelegten Personenkilometern verglichen. Demnach sind die Autobahnen etwa 2.4 mal flächeneffizienter als die Eisenbahnen und etwa 8 mal flächeneffizienter als das übrige Strassennetz.
Situation in der Region Luzern
Der Verkehr von und nach Luzern hat von 2010 bis 2020 um fast 20 Prozent zugenommen. Die Staustunden auf der A14 in Richtung Luzern erhöhten sich um 35 Prozent. Über 100’000 Fahrzeuge fahren heute an einem durchschnittlichen Tag auf der A2 bei Luzern durch den Tunnel Reussport. Und der Verkehr wächst weiter. Sowohl das Gesamtverkehrsmodell des Kantons Luzern wie auch die Verkehrsprognosen des Bundesamts für Raumentwicklung ARE gehen in Zukunft von einem weiteren Verkehrswachstum aus. 2040 muss die A2 bei Luzern gemäss Modellrechnungen über 20 Prozent mehr Fahrzeuge pro Tag gegenüber 2020 bewältigen.

Was bringt das Gesamtsystem Bypass?
Mit Berücksichtigung des Verkehrswachstums lassen sich für 2040 folgende Aussagen machen. Verglichen wird die dannzumalige Situation mit und ohne Gesamtsystem Bypass Luzern.
Mit dem Tunnel Bypass erhält der Nord-Süd-Verkehr neben den heutigen Tunnels Reussport und Sonnenberg eine zweite Verkehrsachse (Redundanz). Sollte eine Achse wegen eines Unfalls oder wegen Unterhaltsarbeiten gesperrt sein, kann der Verkehr auf die zweite Achse umgeleitet werden. Heute sucht sich der Verkehr bei Sperrungen einen Weg durch die Stadt und Agglomeration. In diesen Situationen sind Verkehrszusammenbrüche häufig.
Künftig stehen zwischen dem Anschluss Buchrain und der Verzweigung Rotsee sowie zwischen der Verzweigung Rotsee und dem Anschluss Kriens zusätzliche Fahrsstreifen zur Verfügung (Tunnel Bypass, 6-Spur-Ausbau). Dadurch entfallen die bisherigen Staustunden auf der A14 und der A2. Der Verkehr, der wegen der Staus auf das regionale und lokale Strassennetzt ausgewichen ist, wird wieder zurück auf die Autobahn verlagert.
Details zu den heutigen Staustunden
Da sich der Verkehr vom städtischen Strassennetz wieder auf die Autobahn zurückverlagert, gibt es auf den Strassen von Stadt und Agglomeration weniger Staus.
Der Tunnel Bypass entlastet den Tunnel Sonnenberg künftig um rund 60 Prozent, den Tunnel Reussport um rund 35 Prozent. Dadurch werden Kapazitäten auf der bestehenden Autobahn zwischen den Anschlüssen Emmen-Süd, Luzern-Zentrum und Luzern-Kriens geschaffen. Dieser Abschnitt dient künftig dem lokalen Verkehr (Ziel-/Quell- und Binnenverkehr).
Verkehrsverlagerung in der Region
Fahrzeuge, die heute auf Kantons- und Lokalstrassen unterwegs sind, werden künftig die Autobahn benutzen. Deshalb reduziert sich der Verkehr auf vielen Strassen rund um den neuen Bypass spürbar.
Insbesondere die Verkehrsachsen parallel zum Bypass resp. zur Stadtautobahn (Cityring) sowie zur A14 erfahren eine deutliche Entlastung. Dies betrifft vor allem Hauptverkehrsachsen in der Stadt Luzern und im Rontal. Beispielsweise werden folgende Strassen entlastet:
- Stadtautobahn (Cityring) zwischen Verzweigung Rotsee und Anschluss Luzern-Kriens
- Luzern: Bundesstrasse, Haldenstrasse, Löwenstrasse, Maihofstrasse, Obergrundstrasse, Pilatusstrasse, Seebrücke, Seeburgstrasse, Zürichstrasse
- Ebikon: Luzernerstrasse, Zentralstrasse, Zugerstrasse
- Dierikon: Kantonsstrasse
- Root: Bahnhofstrasse, Luzernerstrasse

Lesebeispiele:
- Auf der Kantonsstrasse zwischen Horw und Hergiswil verkehren mit und ohne Bypass etwa gleich viele Fahrzeuge.
- Auf der Autobahn A14 zwischen dem Anschluss Buchrain und der Verzweigung Rotsee verkehren nach dem Bau des Bypasses zwischen 5 und 15 Prozent mehr Autos. Dies deshalb, weil sich der Verkehr aufgrund der Kapazitätserweiterung auf der A14 von den Kantonsstrassen in den umliegenden Gemeinden auf die Autobahn zurückverlagert.
- Auf den Kantonsstrassen in Ebikon sinkt der Verkehr mit dem Bypass um 5 bis 15 Prozent.
Wenn sich der Verkehr verlagert und verändert oder eine Strasse ausgebaut wird, verändert sich auch die Auslastung der entsprechenden Strassenabschnitte. Die Auslastung beschreibt das Verhältnis zwischen dem tatsächlichen Verkehrsaufkommen auf einer Strasse und der maximalen Menge an Fahrzeugen, die diese Strasse theoretisch aufnehmen kann (Kapazität). Kurz gesagt: Die Auslastung zeigt, wie «voll» eine Strasse ist.

Lesebeispiel:
Die Auslastung der Autobahn A14 zwischen Buchrain und der Verzweigung Rotsee sinkt, obwohl es dort mehr Verkehr haben wird (vgl. Abschnitt «Entlastung»), da die Autobahn mit dem Bypass Luzern hier künftig sechs Fahrstreifen hat und diese den von den Kantonsstrassen auf die Autobahn zurückverlagerte Verkehr gut aufnehmen können. Trotz mehr Fahrzeugen auf der Autobahn gibt es hier weniger Staus, da die Auslastung geringer ist.
Schwerverkehr
Der Schwerverkehrsanteil auf der A2 ist mit 6 bis 7 Prozent im Tagesdurchschnitt und 10 Prozent in der Morgenspitze vergleichsweise hoch. Die Autobahn A2 ist zentral für Strassentransporte auf der Nord-Süd-Achse. Indem das Gesamtsystem Bypass den Verkehrsfluss im Raum Luzern verbessert, resultiert für den Strassengüterverkehr mehr Zuverlässigkeit.
Auf der A14 rund um den Tunnel Rathausen ereignen sich heute verhältnismässig viele Unfälle, bei denen der Schwerverkehr überproportional beteiligt ist. Die zusätzlichen Fahrstreifen auf diesem Abschnitt erhöhen die Verkehrssicherheit für den Schwerverkehr.



