Tunnel Bypass

Der Tunnel Bypass ist das Herzstück des Projekts. Dieser beinhaltet zwei doppelstreifige Tunnelröhren, die Luzern und die Reuss unterqueren. Beim Südportal bietet die neue Grosshofbrücke viele Gestaltungsmöglichkeiten für Mensch und Umwelt.


Der Tunnel Bypass besteht aus zwei Tunnelröhren ohne Pannenstreifen. Die Tunnellängen betragen 3760 Meter Richtung Norden und 3850 Meter Richtung Süden. Die Portale liegen im Norden im Bereich Ibach (Anschluss Emmen- Süd) und im Süden im Bereich Grosshof (Anschluss Luzern-Kriens). Der Tunnel dient dem Transitverkehr und dem Ziel-/Quellverkehr der Agglomeration Luzern.


Nordportal

Das Nordportal des Tunnels Bypass liegt bei Ibach im Norden der Stadt Luzern. Aufgrund des Platzbedarfs für die Portale wird die von der Autobahn beanspruchte Breite von heute 40 auf 80 Meter verdoppelt. Die Verbreiterung erfolgt in erster Linie hangseitig und in geringerem Mass reussseitig. Die Fahrstreifen für den Transitverkehr werden in der Mitte aller Fahrstreifen geführt und tauchen über eine offene Wanne in den Tunnel ab respektive daraus auf.

Die Autobahn A2 heute/künftig bei Ibach (Quelle: Swisstopo)


Hilfsschacht St. Karli

Die Unterquerung des Reusstals ist technisch schwierig. Der Tunnel kommt in wasserführendem Lockergestein zu liegen. Hilfsmassnahmen sind erforderlich. Deshalb wird von der Oberfläche aus beim Spielplatz Dammgärtli bei der St. Karli-Brücke ein Schacht mit acht Metern Durchmesser abgetieft. Von diesem Schacht aus wird der Baugrund in 40 Meter Tiefe in Richtungen Süden verfestigt, so dass sich die Tunnelbohrmaschine sicher durch diesen herausfordernden Bereich fahren kann. Nach Abschluss der Tunnelbauarbeiten wird der Schacht wieder grösstenteils rückgebaut. Ein Zugang bleibt bestehen. Während der Bauphase ist in Abstimmung mit der Stadt Luzern ein Ersatz-Spielplatz in unmittelbarer Nähe vorgesehen. Die Stadt Luzern hat den Spielplatz Reussinsel vorzeitig schon erstellt.

Hier wird der Hilfsschacht St. Karli gebaut. (Quelle: ASTRA)

Aufgrund des wasserführenden Lockergsteins muss der Baugrund verfestigt werden (gelb), bevor die beiden Röhren des Tunnels Bypass ausgebrochen werden. (Quelle: ASTRA)

Der Baugrund wird von der Reuss weg in Richtung Süden verbessert. Hier das Beispiel der nach Süden führenden Röhre des Tunnels Bypass. (Quelle: ASTRA)

Für den wegfallenden Spielpatz Dammgärtli hat die Stadt Luzern bereits den Ersatz-Spielplatz Reussinsel realisiert. (Quelle: Stadtgrün Luzern)


Lüftungszentrale Gütschwald

Die Lüftungszentrale Gütschwald ist ein Bauwerk, das nur bei einem Tunnelbrand zum Einsatz kommt. Sie liegt im Gütschwald, 100 Meter über den Tunnelröhren. Im Brandfall werden die Rauchgase mit Ventilatoren von der betroffenen Fahrbahn durch die Brandklappen in der Zwischendecke abgesaugt und durch den Abluftkanal zur Lüftungszentrale an die Oberfläche geführt.
 
Die Zentrale ragt an der südöstlichen Ecke maximal rund 6.5 Meter aus dem Gelände. Deren Lage und Einbindung in den Wald wurde in Zusammenarbeit mit Spezialistinnen und Spezialisten aus den Bereichen Landschafts- und Städtebau festgelegt und mit dem kantonalen Forstamt und der Stadt Luzern abgestimmt. Nach der Realisierung der Lüftungszentrale wird auf der gerodeten Fläche ein stufiger, arten- und strukturreicher Waldrand (Waldsaum) angelegt. Das Dach der Zentrale wird als Magerwiese und die Fassade mit Kletterpflanzen begrünt und so optimal in die bestehende Landschaft eingegliedert.

Der Tunnel Bypass liegt 100 Meter unter der Lüftungszentrale Gütschwald. (Quelle: ASTRA)

Das Dach der Lüftungszentrale wird begrünt und mit dem umliegenden Wald ökologisch vernetzt. (Quelle: Afry)

Blick von Süden auf die Lüftungszentrale. Pflanzen bewachsen die Mauern. (Quelle: Afry)

Funktionsprinzip Brandfall


Die Lüftungszentrale kommt nur bei einem Brandfall im Tunnel zum Einsatz. Bei einem Brand öffnen sich die Brandklappen (grün) und der Rauch zieht ab. (Quelle: IG 3B / ASTRA)

Rauchabzug bei einem Brand (Beispiel Tunnel Sachseln).

Sich öffnende Klappe bei einem Brand (Beispiel Tunnel Sachseln).

Abluftventilatoren (Beispiel Tunnel Belchen).


Südportal und Grosshofbrücke

Das Südportal des Tunnels Bypass liegt beim Südportal des heutigen Sonnenbergtunnels. Die von der Autobahn beanspruchte Breite wird in etwa verdoppelt. Wie im Norden werden die Fahrspuren des Tunnels Bypass innenliegend geführt, jene der Stadtautobahn aussenliegend. Die dafür notwendige Entflechtung von Tunnel Bypass und Stadtautobahn erfolgt vorgängig unterirdisch innerhalb des Bergs. Dadurch kann viel Platz im offenen Bereich der Linienführung, im Siedlungsbereich eingespart werden. Der Anschluss Luzern-Kriens bleibt generell in der heutigen Form bestehen, wobei die Ein- und Ausfahrtsrampen angepasst werden.
 
Geprägt wird das Südportal durch die dreigeschossige Grosshofbrücke. Grundsätzlich besteht diese aus zwei unabhängigen Brücken, doch in der Wahrnehmung erscheint sie als ein Bauwerk. Die Autobahn befindet sich auf der mittleren Ebene. Durch die Überdeckung entsteht auf der obersten, dritten Ebene eine fast drei Fussballfelder grosse Grünfläche (18’000 Quadratmeter). Sie ist Aufenthaltsort und schafft neue Möglichkeiten für Fuss- und Radwege. Auf der untersten Ebene verkehrt der lokale Verkehr. Zudem ist ein vielfältiger Nutzungsmix z. B. mit Gastronomie und Gewerbe möglich.

Die neue Grosshofbrücke schützt die Anwohnenden vor Lärm. (Quelle: Planerteam Grosshof, ACS Partner)

Blick Richtung Sonnenberg. (Quelle: Planerteam Grosshof, ACS Partner)

In der Mitte der Brücke zirkuliert der Autobahnverkehr. (Quelle: Planerteam Grosshof, ACS Partner)

Blick vom Sonnenberg Richtung Süden. (Quelle: Planerteam Grosshof, ACS Partner)

Die Parklandschaft auf dem Dach der Brücke. (Quelle: Planerteam Grosshof, ACS Partner)

Die Grosshofbrücke ist eine Brücke (links) und ein Haus (rechts) zugleich. Auf dem Dach entsteht ein Grünraum mit Fuss- und Velowegen. In der Mitte verläuft die Autobahn. Unten links fährt der lokale Verkehr von Kriens. Unten rechts gibt es Platz für Geschäfte, öffentliche Räume und Restaurants. (Quelle: Planerteam Grosshof, ACS Partner)


Testplanung Kriens

Zwischen dem Südportal des Tunnels Bypass und dem Nordportal des Tunnels Schlund liegt die Autobahn offen. Die Gemeinde Kriens, ist bemüht, die Situation für Anwohnende und aus Sicht Städtebau zu optimieren. Deshalb haben drei Teams aus dem Bereich Städteplanung im Rahmen einer sogenannten Testplanung Vorschläge erarbeitet. All diese Vorschläge sehen eine Teilüberdeckung vor, nicht aber eine Voll-Überdeckung. Das ASTRA hat sich finanziell an der Testplanung beteiligt. Die Verantwortung für die weitere Entwicklung liegt bei der Gemeinde Kriens.